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Lenya (Trauer)

verfasst von Lysann(R) E-Mail, 23.11.2017, 14:56 Uhr

Liebe ullis Mama,

erstmal vielen lieben Dank für deine lieben Worte. Ja man muß es wohl begreifen das es ein Schicksalsschlag ist gegen den man nichts machen kann, auch wenn es einen schwer fällt. Ich bin auch unheimlich berührt von deiner Geschichte, es muss unheimlich schwer sein wenn es totgeschwiegen wird. Ich wünsche dir viel Glück wegen evtl. Unterlagen und Kraft für die weitere Verarbeitung. Momentan funktioniert es die Tage bei mir auch ganz gut, ich bekomme aber auch jedes mal wieder gesagt ich hätte nichts machen können. Letzte Woche nach der Beerdigung war ich die ganze Zeit wie nicht wirklich anwesend aber ich habe das Gefühl es beginnt jetzt langsam das man nicht nur noch iwie existiert sondern wieder beginnt zu leben. Ich halte ganz an den Gedanken fest das sie nicht leiden musste bzw nichts davon mitbekommen hat, wie es mir gesagt wurde, das hilft mir ungemein. Wir sind auch wieder in unsere Wohnung zurück gegangen, auch wenn es nicht die ganze Zeit über ist, die Zeit vorher waren wir bei meinem Eltern, die sich auch total lieb um uns gekümmert haben. Es ist echt verwunderlich, habe ich mich bei meinen Eltern eigentlich immer in den Schlaf geweint, kann ich Zuhause normal einschlafen. Ich meine gut ich beschäftige mich bis ich wirklich total müde bin, aber das habe ich vorher auch schon gemacht gehabt. Mein Mann geht wieder arbeiten, er braucht das einfach, ein bisschen Normalität und auch die Ablenkung durch die Arbeit. Er hatte auch ein Gespräch mit seiner Chefin, das sie ihn deswegen nicht verlieren will. Das sie es aber auch nicht verhindern kann das ihre Tochter, bisschen älter als ein Jahr, mal mit in der Werkstatt ist und das sie schwanger ist. Ob er denkt er kommt damit klar, finde ich ja total fair von ihr. Auch wir reden mehr miteinander, gut er fängt nicht von alleine an darüber zu reden, aber er blockt auch nicht ab, was ich schon mal als gutes Zeichen ansehe. Meine Kolleginnen sind auch alle sehr verständnisvoll, 3 von ihnen waren auch auf der Beerdigung als Unterstützung. Haben auch alle gesagt, ich soll mir all die Zeit nehmen die ich brauche, es ist vollkommen egal wie lang es ist. Hilft auch ungemein das man sich darüber keine Gedanken machen muss, auch wenn es mir ehrlich gesagt egal wäre wenn es nicht so wäre, wenn ich eins aus der Sache gelernt habe, ist es das das es wichtigeres gibt als Arbeit, Geld usw. Seine Großeltern bieten auch immer wieder finanzielle Unterstützung an, als wenn mir die Kosten nicht egal wären, haben allerdings auch genügend Ersparnissen, so dass ich mir darüber keine Gedanken machen muss. Leider ist aber bei ihnen das finanzielle unterstützen das Einzige was sie können, habe ich den Eindruck. Sie haben vor der Beerdigung das Angebot bekommen uns jeder Zeit besuchen zu können, aber sie waren der Ansicht nach der Beerdigung könnte man sich wieder treffen, als wenn man einen Schalter umlegen könnte und alles ist wieder gut. Ich nehme es ihnen total übel das sie nicht mal auf die Idee gekommen sind einfach mal davor vorbei zu kommen und ihm in den Arm zu nehmen, selbst seine Schwester ist auf die Idee gekommen das zu machen und die beiden waren Jahrelang zerstritten. Auch für mich ist sie eine große Stütze und auch wir konnten uns nicht ab, ich meine gut vielleicht hält es nicht lange an, wir sind einfach zu unterschiedlich, aber das es jetzt so ist, dafür bin ich ihr unendlich dankbar. Die Tage bisher in unserer Wohnung habe ich dazu genutzt ihr Zimmer ordentlich zu machen, wir hatten an den Tag alles einfach rein gestellt und bisher so gelassen. Wenn es gefühlsmäßig bei mir so bleibt, wird das Zimmer auch so bleiben. Ich erinnere mich gerne an sie und schreibe deswegen auch die verschiedensten Situationen von ihr bzw mit ihr auf, angefangen bei den ersten positiven Schwangerschaftstest, alt so viele Erlebnisse hatte man ja noch nicht mit ihr, aber diese wenigen Sachen will ich auch für immer behalten und man vergisst ja auch viel zu schnell wenn es nicht aufgeschrieben ist. Ich bin auch froh das wir so viele Fotos und Videos von ihr haben, hab jeden Tag auch für meinen Mann welche gemacht und ihn geschickt, als Aufheiterung weil er auf Arbeit war. Dadurch ist es für den Zeitraum auch verdammt viel und die Sachen schaue ich mir gerne an. Wir wollen sie nicht vergessen oder gedanklich ungeschehen machen und denken sie würde wollen das wir weiter machen. In unseren Herzen wird sie immer weiter leben und wir sind jetzt auch dazu verpflichtet für sie mitzuleben, so dass sie, wenn wir iwann wieder zusammen sind, stolz auf uns ist. Unsere Psychologin hat uns ja auch quasi Sex verordnet, ich glaube alleine wären wir nicht so schnell auf die Idee gekommen. Einigen wird es viel zu früh erscheinen, aber wir denken auch an weitere Kinder bzw werden nichts dagegen machen, was es verhindern soll. Wir wollen sie aber damit nicht ersetzen, bloß wir hatten immer einen Kinderwunsch und der ist ja nicht weg dadurch das das passiert ist. Mein Mann hat auch wenige Tage nach ihrer Geburt schon an ein Geschwisterchen für sie gedacht. Im ersten Moment danach war zwar der Gedanke bei mir, nie wieder, nicht noch mal die Angst haben, das es wieder passieren könnte bzw das danach durchstehen müssen, wenn es passieren sollte. Aber mittlerweile ist es bei mir so das ich denke, das ich das nie vom Kopf her entscheiden kann, ich werde immer Angst davor haben und deswegen mich dagegen entscheiden. Deswegen wenn es passiert, passiert es und dann muss ich einfach mit der Situation klar kommen. Ist vielleicht nicht der beste Weg, aber momentan mein Weg. Du hattest ja geschrieben du hast 4 Kinder, wenn man mal nachfragen darf, wie lange dauerte es denn bei dir? Wie meinte mein Mann so passend, wir hätten noch viel Liebe zu geben und wegen der Endometriose ja auch nicht unendlich viel Zeit, um weitere Kinder zu realisieren.
Ich drücke dich mal unbekannter Weise zurück.
Deine Lysann

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Lenya von Lysann(R) am 08.11.2017 um 20:33 Uhr (Trauer)  [Board] [Mix]
Lenya von Lysann(R) am 09.11.2017 um 13:03 Uhr
Lenya von ullis Mama(R) am 12.11.2017 um 16:23 Uhr
Lenya von Lysann(R) am 23.11.2017 um 14:56 Uhr

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